Was uns trägt: Von nachhaltigen Zielen und Visionen

Ziele und Visionen können uns Richtung und Sinn geben, wenn sie von innen heraus kommen.


Es soll vorkommen, dass wir uns gerade zu Beginn des Jahres mit einem bunten Strauß von Zielen und Vorsätzen überrumpeln. Da ist es plötzlich, das neue Jahr. Das alte gerade abgeschlossen und gedanklich vielleicht noch gar nicht ganz im neuen angekommen, meinen wir, der Jahresbeginn sei Anlass, von heut auf morgen mit Veränderungen zu starten: Abnehmen, gesundes Essen, nicht mehr rauchen, sich mehr um die Beziehung kümmern, endlich mit Yoga beginnen. Um die Feiertage wurde ohnehin so viel gesündigt, dass jetzt endlich mal Schluss ist mit dem Überfuttern. Los geht's, der Vorsätze-Marathon kann beginnen.

Nur funktioniert es so meistens nicht. Wir rennen blind drauf los und nach den ersten Turnübungen und Quinoasalaten scheint das Ziel doch nicht mehr attraktiv. Die Vorstellung vom erreichten Ziel hat zunächst ein gutes Gefühl gegeben, nur der Weg dahin ist mit zu vielen Hindernissen gepflastert. So rückt es in die Ferne, im Februar wird es heimlich fallengelassen oder verschoben. Vielleicht ist es eher etwas für das nächste Jahr.


Es gibt verschiedene Gründe, warum wir unsere Ziele häufig so schnell aus den Augen verlieren und immer wieder aufschieben. Sie nicht zu erreichen kann unterschwellig ein Gefühl des Versagens hinterlassen. Dann verlässt uns der Mut, es überhaupt nochmal zu versuchen. Dabei sind gute Ziele und Visionen etwas sehr kraftvolles, wertvolles. Sie können uns eine Richtung und Sinn geben.


Richtiges Zielen ist ein häufiges Thema im Coaching. Ich habe ein paar Tipps, die dir helfen können, nachhaltige Ziele zu setzen. Oder du prüfst damit Ziele, die du bereits im Kopf hast, bei denen die Umsetzung jedoch schwer fällt:


Wichtig ist, dass es DEIN Ziel ist, das du erreichen möchtest. Ziele, die nicht aus dem Herzen kommen sind leere Ziele. Das Wort Vorsatz, welches wir vor allem für die Ziele zum neuen Jahr verwenden, kann auch so gedeutet werden: Wer setzt dir da etwas vor? Bist du das selbst? Ist es dein Partner, deine Eltern, dein Chef, die Gesellschaft? Wessen Erwartungen möchtest du mit der Erreichung des Ziels erfüllen? Denk darüber nach, wenn du ein Ziel formulierst. Sei ehrlich mit dir selbst.


Um es noch deutlicher zu machen: Ein Ziel sollte an eigene tiefe Bedürfnisse anknüpfen, ein gutes Gefühl auslösen, um wirklich Veränderung herbeiführen zu können. Überlege dir, was das Ziel hinter deinem Ziel ist. Dazu ist es hilfreich, das eigene Ziel einmal zu hinterfragen. Durch dieses Hinterfragen kommen wir dem eigentlichen Kern näher. Ob es sich um ein materielles Ziel, das Abnehmen oder eine bessere Beziehung, den Aufstieg im Job handelt - dahinter verbergen sich meist viel tiefere Bedürfnisse.


Ein kurzes Frage-Antwort-Beispiel aus dem Coaching:


Klient: Mein Ziel ist es, genügend Geld zu sparen, um einen VW Bus zu kaufen.

Coach: Wozu ist das gut?


Klient: Dann kann ich durch die Gegend reisen und auch mal spontan irgendwo übernachten.


Coach: Wozu ist das gut, mal spontan irgendwo übernachten zu können?


Klient: Es würde mir ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit geben.


Coach: Wozu ist das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit gut?


Klient: Es fühlt sich nach Abenteuer an. Es würde mich glücklich und zufrieden machen.


Durch diese Methode lassen sich schnell die tieferen Schichten des Ziels erkunden. Liebe, Zuneigung, Anerkennung, Freiheit, innere Zufriedenheit, Freude, Leichtigkeit sind häufig die eigentlichen Schätze, die tief im Inneren verborgen liegen und gelebt werden wollen.


Diese Übung kannst du ohne Coach durchführen. Nimm dir dafür Ruhe und Zeit. Schreibe ein Ziel auf, das du erreichen möchtest. Frage dich "wozu ist das gut?" und wiederhole die Frage, bis du zum eigentlichen Kern gelangst. Erkunde auch deine Gefühle und Gedanken dazu.

Wenn du dabei erkannt hast, was hinter deinem Ziel verborgen liegt, dann kannst du überlegen, ob es heute schon etwas gibt, das du tun kannst, um dich ein Stück freier oder zufriedener zu fühlen. Wenn es dir gelingt, jeden Tag ein kleines Stück auf diesem Weg zu gehen, deine Werte und Wünsche zu leben, wird dich das mehr tragen, als die Erreichung eines Ziels. Denn ein Ziel kann auch eine Begrenzung sein. Selbst wenn du es erreichst, bist du vielleicht danach nicht glücklicher und zufriedener. Du fängst an, dir ein Ziel nach dem anderen zu setzen, freust dich vielleicht kurz über den Erfolg, aber es hinterlässt keine nachhaltigen Spuren. Du bleibst auf der Suche nach dem, was dich eigentlich erfüllt.


Wenn du dein Ziel, deine Vision täglich ein kleines Stück lebst, dann fällt das "wenn..., dann..." wie von Zauberhand weg. "Wenn ich den neuen Job habe, dann bin ich zufrieden.", "Wenn ich abgenommen habe, dann fühle ich mich wohler.", "Wenn Corona erstmal vorbei ist, dann bin ich wieder entspannter.", "Wenn ich den VW Bus habe, dann bin ich glücklich." usw. Warum Zufriedenheit, Wohlbefinden, Entspannung, Glück auf einen Zeitpunkt in (unbestimmter) Ferne verschieben? Du kannst dich heute dazu entscheiden, diese Dinge in dein Leben zu ziehen und in die Umsetzung zu kommen. Dies können gute Ziele sein, aber auch Ausreden. Denn wer garantiert schon, dass der neue Job wirklich Zufriedenheit bringt?


Ich bin dafür, Ziele zu setzen, aber es sollten kraftvolle Intentionen sein, die von innen heraus kommen. Dann sind sie großartige Antreiber, die auch im Außen ihre Wirkung zeigen. Die Ziele sind dann Etappen auf deinem Weg durch das Leben, das von einem größeren Ziel, einer Vision getragen wird, die du aus dir heraus lebst und deine Ziele daraufhin ausrichtest. Die Ziele geben dann einen Sinn, du kennst bereits den Grund, warum du sie setzt und bist motiviert sie zu erreichen.


Zum Thema Ziele und Visionen gäbe es noch so viel zu sagen. Ich liebe es, mich damit auseinanderzusetzen. :-) Ich möchte dir noch ein paar einzelne Gedanken mitgeben. Bei Fragen dazu, freue ich mich über eine Nachricht von dir:


Manchmal scheint es nicht so leicht, sich auf den Weg zu machen. Dann stehen uns innere oder äußere Hindernisse im Weg. Viele Grenzen entstehen durch unsere eigenen Gedanken und Erfahrungen. Damit wir uns nicht weiter im Kreise drehen, kann die Begleitung eines Beraters, Therapeuten oder Coaches hilfreich sein, um Blockaden aufzudecken und in kleinen Schritten zu überwinden.


Wichtig ist auch die positive Formulierung eines Ziels. Wenn ich nicht mehr so viel Süßes essen möchte - was möchte ich stattdessen?


Ziele und und vor allem Visionen dürfen groß gedacht werden. Sie müssen einen Anreiz für Veränderung bringen, sich aus der Komfortzone herausbewegen zu wollen, jedoch sollten sie gleichzeitig nicht überfordern.


Die Erstellung eines Vision Boards ist eine kreative Möglichkeit, Ziele und Visionen visuell darzustellen. Dazu gestaltest du ein großes Blatt Papier mit Bildern, Sprüchen, Worten, Gedanken, die deine Vision unterstützen. Am besten hängst du dir das Bild auf, sodass du immer wieder darauf blicken kannst. Es muss nicht für alle präsent über dem Sofa im Wohnzimmer hängen. Aber vielleicht im Arbeitszimmer oder (innen) an der Kleiderschranktür. Allein die Erstellung des Vision Boards trägt dazu bei, dass du dich intensiver mit deinen Zielen, Wünschen und Visionen auseinandersetzen kannst.


Ich habe früher immer gedacht, eine Vision ist etwas, das immer gleich bleiben muss. Aber so ist es nicht. Wir verändern uns, unsere Lebensbereiche verändern sich, unsere Bedürfnisse ändern sich. Also dürfen wir auch unsere Vision irgendwann wieder anpassen.

Du kannst auch eine Vision für das Jahr 2021 entwickeln. Etwas, das dir in diesem Jahr ganz besonders wichtig erscheint in dein Leben zu bringen. Du kannst heute damit beginnen, die Veränderung einzuleiten. Wichtig ist, den ersten Schritt zu tun und sich selbst liebevoll, achtsam und nachsichtig zu begegnen, insbesondere, wenn es zeitweise nicht gelingt, deiner Vision zu folgen. Steige dann aber wieder ein oder nimm dir Zeit darüber nachzudenken, woran es liegt, dass du sie nicht weiterverfolgst. Konzentriere dich in der Umsetzung vielleicht auch zunächst einmal auf einen Lebensbereich. Was bedeutet zum Beispiel Liebe für mich im Umgang mit mir selbst, in der Familie, im Alltag, im Beruf? Finde einen Bereich im Leben, in den du aus vollem Herzen Liebe integrieren möchtest und dann bleibe dran.